Das Hamburger Modell

Das Hamburger Modell

Das Hamburger Modell der Täterareit bzw. verstehenden Jungenarbeit wurde von Joachim Lempert und Burkhard Oelemann entwickelt und hat entsprechend seines Namens seinen Ursprung in Hamburg!

Grundlage dieses Beratungsansatzes ist die Erkenntnis, dass Täter professionelle Unterstützung benötigen, wenn Sie ihr Gewaltverhalten beenden möchten, und Jungen einer besonderen Pädagogik bedürfen.

Täterarbeit

Der Ansatz der Täterarbeit nach dem Hamburger Modell nimmt folgendes im besonderen Maße in den Fokus!

  1. Das Augenmerk gilt hier dem Wollen des Täters, also die freiwillige Entscheidung, das eigene Verhalten zu verändern und Konflikte mit der Ehefrau oder Partnerin zukünftig gewaltfrei bearbeiten zu können!
  2. Per Zwang auferlegte Beratung für Täter kann keine unterstützende Beratung sein! Zwanghafte Beratung geht einher mit der Tatsache, dass Täter diese Beratung nicht aufsuchen, um an Ihrem Verhalten zu arbeiten, sondern um (weitere) Repressalilen, z.B. in Form von Haftstrafen, zu vermeiden.
  3. Dabei wird dem Berater die Verantwortung dafür übertragen, dass der Täter die auferlegte Beratung oder Gruppentherapie auch wirklich regelmäßig besucht. Der Sinn einer Beratung, nämlich, dass der Täter die Verantwortung für sein Handeln übernimmt, ist somit ausgeschlossen.
  4. Männliche Täter suchen Beratung auf, wenn Sie sich sicher sein können, dass Sie mit Ihrem Handeln und Ihren Befindlichkeiten ernst genommen werden. Entgegen der allgemeinen Auffassung sind Täter im allgemeinen keine Monster ! Sie sind im besonderen mit festgezurrten Männerbildern, die Sie sich gerne selbst auferlegen, beschäftigt und nach Ihrer Wahrnehmung ständig mit der Aufgabe konfrontiert, sich keine Blöße zu geben und 'Ihren Mann zu stehen'. Die Versuche diesbezüglich müssen immer wieder scheitern!
  5. Auch Täter haben den Wunsch nach einer harmonischen und vertrauensvollen Beziehung und wollen alles richtig machen. Überforderung und mangelnde Bereitschaft, Konflikte mit der Partnerin oder Ehefrau wahr zu nehemn, sich ihnen zu zu wenden und sie gemeinam zu bearbeiten, sind in der Regel die Folge.
  6. Täter bewegen sich in einem Gewaltkreislauf, der nach der Tat die Entschuldigung beim Opfer und die Abgabe der Verantwortung an das Opfer zur Folge hat. Täter und Opfer vermeiden die Auseinandersetzung mit der Tat, da Sie damit die Hoffnung verbinden, dass der Täter nicht erneut gewalttätig ist.

Verstehende Jungenarbeit

Der Ansatz der verstehenden Jungenarbeit nach dem Hamburger Modell gründet auf folgenden Erkenntnissen!
 

  1. Jungen sind in Ihrer Entwicklung oft einem Mangel an männlichen Bezugspersonen ausgesetzt.
  2. Dies ist deshalb problematisch, weil auch Jungen gefordert sind, ihre geschlechtliche Identität zu entwickeln.
  3. Da Jungen oft die männlichen Beispiele ( Vater, Erzieher, Grundschullehrer ) fehlen, bauen sie sich ihre männliche Identität als das Gegenteil von Weiblichkeit.
  4. Mit Weiblichkeit verbinden sie aufgrund Ihrer Erfahrungen mit ihren Müttern, Erzieherinnen und Grundschulehrerinnen sowohl bestimmte Verhaltensweisen als auch eine Bandbreite an Gefühlen.
  5. Sowohl diese Verhaltensweisen ( z.B. Weinen ) als auch die Gefühle lehnen sie mit ihrem Konstrukt von Männlichkeit, welches sie aufgrund eines Mangels entwickeln, in der Folge ab.
  6. Im besonderen bedeutet dies für Jungen, dass sie bestimmte Gefühle ( vornehmlich Überforderung, Hilflosigkeit, Traurigkeit, Verletzung, Ohnmacht ) nicht mehr haben dürfen.
  7. Also zeigen sie diese nicht und ihrer Umwelt fällt es entsprechend schwer, zu erkennen, wie es ihnen geht.
  8. Aus ihrem Konstrukt von Männlichkeit resultiert auch, dass sie sehr damit beschäftigt sind, die Gefühle, die sich bei ihnen natürlich dennoch einstellen, aktiv zu beseitigen.
  9. Für die Beseitigung von unangenehmen Gefühlen ( wir sagen hier bewußt nicht 'negativ', da hiermit eine Bewertung von Gefühlen einhergeht ) entwickeln Jungen unterschiedliche Strategien.
  10. Wie auch immer die persönliche Stratgegie eines Jungen aussieht, wird er dafür sehr viel Kraft aufbringen müssen.
  11. Die Folge hieraus ist, dass Jungen oft überfordert sind, denn den Ansprüchen, die sie sich selbst setzen, können sie natürlich nicht genügen.

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